Reicht ein LinkedIn-Profil statt einer Website? Was Selbstständige im KI-Zeitalter brauchen
Von Markus Walter · · ca. 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Ein gutes LinkedIn-Profil ist wertvoll, aber im KI-Zeitalter reicht es allein nicht mehr. Interessenten recherchieren heute auch mit KI, und KI-Systeme empfehlen vor allem Menschen, über die sie an mehreren Stellen dasselbe finden. Ein Profil ist nur eine Quelle, und vieles darauf ist hinter dem Login verborgen. Die eigene Website ist der Ankerpunkt, auf den alle anderen Profile verweisen. Ein guter Start ist trotzdem das LinkedIn-Profil, denn es hilft dir bei Entscheidungen, die du auch für die Website brauchst.
Diese Frage hören Leonie und ich immer wieder, in unseren Mentorings und in unseren kostenfreien Live-Workshops: „Reicht nicht mein LinkedIn-Profil? Eine Website kostet doch nur Zeit und Geld.“ Wir begleiten Selbstständige seit 2018 auf LinkedIn und haben viele erlebt, die allein über ihr Profil Kunden gewonnen haben. Vor ein paar Jahren hätten wir deshalb gesagt: Es geht auch gut ohne Website. Heute ist unsere Antwort eine andere.
Warum ein LinkedIn-Profil allein heute zu wenig ist
Kunden recherchieren mit KI und vielen Quellen. Laut einer Gartner-Umfrage unter B2B-Einkäufern nutzt fast die Hälfte generative KI, um Informationen über Anbieter zu sammeln, und zieht im Schnitt sieben Informationsquellen heran. Eine KI empfiehlt eher jemanden, über den sie an mehreren Stellen übereinstimmende Informationen findet. Ein einzelnes Profil ist dafür zu wenig.
Vieles auf LinkedIn sehen Suchmaschinen und KI gar nicht. Außerhalb von LinkedIn ist meist nur das öffentliche Profil sichtbar, und auch nur so weit, wie du es in deinen Einstellungen freigibst. Deine Beiträge, Kommentare und vieles mehr sind vor allem für eingeloggte Mitglieder da. Genau dort steckt aber oft dein bestes Wissen.
Die Plattform gehört dir nicht. LinkedIn bestimmt, was angezeigt wird, ändert seine Regeln und kann Konten einschränken. Was du dort aufbaust, ist wertvoll, aber du hast es nicht in der Hand.
Nur auf der eigenen Website bestimmst du, wie Maschinen dich verstehen. Mit sogenannten strukturierten Daten kannst du Suchmaschinen und KI-Systemen genau sagen, wer du bist, was du anbietest und welche Profile zu dir gehören. So werden deine Website, dein LinkedIn-Profil und andere Einträge als zusammengehörig erkannt.
Was wir selbst geändert haben
Wir haben unsere eigene Website in diesem Jahr genau unter diesem Gesichtspunkt überarbeitet. Eine zentrale Seite zeigt jetzt alle unsere Auftritte, Kongresse, Podcasts und Veröffentlichungen und verlinkt auf unsere Profile. Inzwischen nennt Google diese Seite als Quelle, wenn man nach uns fragt. Ein LinkedIn-Profil allein hätte das nicht geschafft.
Unser Rat: Fang mit dem LinkedIn-Profil an
Kürzlich hat uns eine Kundin genau diese Frage gestellt. Unsere Antwort: Starte mit dem LinkedIn-Profil. Der Prozess, um ein gutes Profil aufzusetzen, hilft dir auf den Punkt zu kommen. Profilslogan, Info-Text und vorgestellte Inhalte bieten wenig Platz, du musst also festlegen, was du ins Schaufenster stellst und für wen du da bist. Das klingt unbequem, ist aber sehr praktisch. Denn genau diese Entscheidungen brauchst du später auch für deine Website.
Das Profil ist also ein guter erster Schritt und die Grundlage für die Website. Dauerhaft ersetzen kann es sie nicht.
Was deine Website mindestens braucht
Deine Website muss kein großes Projekt sein. Für den Anfang reicht eine gut gemachte Seite mit diesen Inhalten:
- Deine Positionierung auf den ersten Blick: für wen du was tust und welches Ergebnis Kunden bekommen.
- Dein Angebot: klar beschrieben, eventuell mit Preis oder Preisrahmen.
- Über dich: deine Erfahrung, dein Werdegang und was dich ausmacht.
- Belege: Kundenstimmen, Auftritte, Veröffentlichungen, Auszeichnungen.
- Kontakt, Datenschutz und Impressum.
- Links zu deinen Profilen, vor allem zu LinkedIn, und umgekehrt von LinkedIn zur Website.
- Strukturierte Daten für deine Person und dein Angebot. Viele Website-Baukasten bieten das inzwischen an, sonst hilft dir dein Webdesigner.
Wie du deine Positionierung so formulierst, dass auch eine KI sie versteht, beschreiben wir im Beitrag Warum entscheidet die Positionierung heute, ob Kunden dich überhaupt fragen?
LinkedIn bleibt wichtig, aber nicht allein
Unsere Antwort lautet also: beides, Website und LinkedIn. Gerade im B2B-Bereich ist LinkedIn oft das Erste, was Interessenten prüfen. Google und Bing zeigen öffentliche LinkedIn-Profile in ihren Ergebnissen an. Wichtig ist, dass Website und Profil dieselbe Geschichte erzählen: dieselbe Positionierung, dieselben Begriffe, dasselbe Angebot. Prüf außerdem in deinen LinkedIn-Einstellungen, ob dein Profil öffentlich sichtbar ist.
Viele unserer Kunden sehen LinkedIn als ihre wichtigste Plattform, und für Selbstständige im B2B-Bereich stimmt das oft. Was hier über LinkedIn steht, gilt aber genauso für Instagram, Facebook, YouTube oder andere Plattformen: Die Inhalte gehören der Plattform, und wie viel Suchmaschinen und KI davon sehen, ist von Plattform zu Plattform verschieden. Egal, wo du aktiv bist: Alle Profile sollten dieselbe Positionierung zeigen und auf deine Website verweisen.
Wenn du noch angestellt bist und nebenbei ein Business aufbaust, findest du Tipps dazu in Angestellt und nebenbei selbstständig: Wie du das auf LinkedIn regelst.
Wie wir dich unterstützen
Wo dein Business bei der Sichtbarkeit in KI steht, zeigt dir unser kostenfreier KI-Risiko-Check. Wenn du deine Positionierung schärfen willst, bevor du an Website und Profil gehst, arbeiten Leonie und ich im Positionierungs-Workshop „Neu uffgegleist“ vier Wochen live mit dir daran. Das ist eine gute Grundlage für die Arbeit an LinkedIn-Profil und Webseite. Lieber erst ein persönliches Gespräch? Dann vereinbare ein kostenfreies Kennenlerngespräch.
Quellen
- Gartner: Gartner Survey Finds 69% of B2B Buyers Turn to Sales Reps to Validate AI-Generated Insights, Pressemitteilung vom 20. Mai 2026
- LinkedIn Hilfe: Manage your profile’s visibility on and off LinkedIn
- Google Search Central: Einführung in strukturierte Daten
- Schema.org: Person
Häufige Fragen
+Brauche ich als Selbstständige eine eigene Website, wenn ich ein gutes LinkedIn-Profil habe?
Ja, im KI-Zeitalter empfehlen wir beides. Viele Inhalte auf LinkedIn sind für Suchmaschinen und KI-Systeme kaum sichtbar, und die Plattform gehört dir nicht. Die eigene Website ist der Ankerpunkt, auf den alle Profile verweisen und mit dem KI-Systeme dich eindeutig zuordnen können.
+Was muss mindestens auf meiner Website stehen?
Deine Positionierung auf den ersten Blick, dein Angebot, Informationen über dich und deine Erfahrung, Belege wie Kundenstimmen oder Auftritte sowie Kontakt und Impressum. Dazu Links zu deinen Profilen und strukturierte Daten, damit Suchmaschinen die Inhalte richtig zuordnen.
+Liest eine KI wie ChatGPT mein LinkedIn-Profil?
Teilweise. Öffentlich sichtbare Profilangaben können Suchmaschinen und KI-Systeme finden, Beiträge und viele andere Inhalte dagegen kaum. Wie viel sichtbar ist, hängt auch von deinen Einstellungen ab. Deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Informationen zusätzlich auf der eigenen Website zu veröffentlichen.
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