Black Friday als Coach: Lohnt sich eine Aktion für dich? Fünf Fragen vor der Entscheidung
Von Leonie & Markus Walter · · ca. 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Black Friday ist ein Ereignis aus dem Handel, in diesem Jahr am 27. November. Für Coaching und Mentoring lohnt sich eine Aktion nur, wenn sie zu deinem Angebot, deiner Kapazität und deinen Wunschkunden passt. Ein Rabatt auf dein Kernangebot oder auf deine persönliche Arbeitszeit ist dabei meist die schwächste Wahl. Besser funktionieren ein Bonus, ein klar abgegrenztes Einstiegsangebot oder ein Bundle. Und bewusst nichts zu tun ist eine echte Entscheidung. Fünf Fragen helfen dir bei dieser Entscheidung.
Ab Mitte November füllt sich das Postfach mit Rabattcodes, Countdowns und „nur noch heute“. Auf LinkedIn teilen Kollegen ihre Aktionen, und irgendwann kommt der Gedanke: Muss ich da auch mitmachen?
In unseren Mentorings hören wir diese Frage jedes Jahr. Die Antwort hängt davon ab, was du anbietest und wen du damit erreichen willst.
Warum Black Friday bei Coaching anders funktioniert
Black Friday stammt aus dem Handel. Dort kaufen Kunden ein bekanntes Produkt zu einem Preis, den sie vergleichen können. Bei Coaching und Mentoring kaufen Menschen Vertrauen und ein Ergebnis, und du kannst nur eine begrenzte Zahl an Menschen begleiten. Ein Preisnachlass bedeutet deshalb oft: dieselbe Arbeit für weniger Geld, und zwar in deiner Zeit.
Fünf Fragen vor deiner Entscheidung
Frage 1: Verkaufst du Zeit oder ein Ergebnis?
Wenn du 1:1-Begleitung auf Zeitbasis anbietest und den Preis senkst, rabattierst du deine persönliche Arbeitszeit. Im Januar sitzt du dann vielleicht mit einem vollen Kalender da, bei dem jede Stunde weniger einbringt als sonst. Prüf, ob du diese Arbeit zum Aktionspreis überhaupt schaffst, ohne dass dein Angebot leidet.
Wer ein Ergebnis in einem festen Zeitraum verkauft, hat mehr Spielraum, weil der Preis am Wert hängt und nicht an der Stunde. Wofür Kunden weiterhin gern bezahlen, haben wir im Beitrag Kunden machen es jetzt mit KI selbst beschrieben.
Frage 2: Wen ziehst du mit einem Rabatt an?
Ein Rabatt spricht Menschen an, die vor allem auf den Preis schauen. Das sind nicht immer deine Wunschkunden. Für Coaching ist das heikel, denn ein Coaching wirkt nur, wenn jemand wirklich etwas verändern will.
Eine Feldstudie aus dem Versandhandel (Anderson und Simester, 2004) zeigt, dass tiefere Rabatte die künftigen Käufe von Erstkunden erhöhten, die von etablierten Kunden aber verringerten. Außerdem stieg die Rabattempfindlichkeit. Das sind Handelsdaten und keine Aussage über Coaching. Sie erinnern aber daran, dass ein Rabatt nicht nur die Menschen erreicht, die du erreichen willst.
Frage 3: Was bedeutet es für deine Bestandskunden?
Wer vor wenigen Wochen zum vollen Preis gebucht hat, fühlt sich schlecht, wenn dasselbe Angebot im November günstiger ist. Sprich mit deinen Bestandskunden, bevor du etwas veröffentlichst, oder gib ihnen ein Dankeschön. So erfahren sie nicht zufällig von einer Aktion, von der sie ausgeschlossen sind.
Frage 4: Gibt es ein Angebot, das nicht dein Kernangebot ist?
Statt dein Kernangebot zu rabattieren, kannst du etwas anbieten, das für diesen Anlass gemacht ist:
- Einen Bonus. Du behältst den Preis und legst etwas obendrauf, zum Beispiel ein zusätzliches Modul, ein Workbook oder eine Zusatzstunde in einer Gruppe.
- Ein Einstiegsangebot. Ein kleines, klar abgegrenztes Produkt, das Menschen in deine Welt holt, etwa ein Audit oder ein kompakter Kurs.
- Einen Workshop mit festem Termin. Du verkaufst den Zugang zu einem Jahresrückblick oder einer Jahresplanung, statt endloser Einzelstunden.
- Ein Bundle. Du kombinierst Vorhandenes, zum Beispiel ein Workbook mit einem Check-in.
Wenn nichts davon zu dir passt, ist das ein gutes Zeichen, dass du keine Aktion brauchst.
Frage 5: Machst du es aus Strategie oder weil alle es tun?
Wer aus Sorge mitmacht, etwas zu verpassen, steckt oft viel Zeit in Mails und Grafiken und bekommt wenig Reaktion. Frag dich vorher: Was will ich mit dieser Aktion erreichen, wie viele Menschen kann ich begleiten, und was passiert, wenn niemand bucht? Wenn du das nicht beantworten kannst, lass es.
Coaching oder Online-Kurs?
Bei einem Online-Kurs sind Aktionen üblicher, weil das Produkt leichter vergleichbar ist und nicht an deine Zeit gebunden ist. Trotzdem gelten dieselben Fragen: Wen ziehst du an, und was bedeutet es für deine Bestandskunden? Bei Coaching und Mentoring ist die Kapazität der enge Punkt. Dort lohnt sich eine Aktion nur, wenn du die Plätze wirklich vergeben willst.
Wenn du mitmachst: Das legst du vorher fest
- Ziel. Willst du neue Menschen erreichen, Bestandskunden danken oder vor dem Jahresende Einnahmen schaffen? Das entscheidet über das Angebot.
- Kapazität. Wie viele Plätze oder Verkäufe kannst du wirklich gut begleiten?
- Zeitraum. Wie lange läuft die Aktion, und passt sie zu deinem Kalender?
- Kommunikation. Wen informierst du zuerst, und in welcher Reihenfolge? Bestandskunden gehören an den Anfang.
Schreib die vier Punkte auf, bevor du eine Mail oder eine Grafik baust.
Wie viel Aufwand ist es wert?
Eine Aktion kostet Zeit: für Texte, Grafiken, Mails und Gespräche. Rechne vorher grob durch, wie viele Buchungen nötig sind, damit sich dieser Aufwand lohnt. Wenn du dafür mehrere volle Tage brauchst und höchstens einen Platz verkaufst, lohnt sich meist ein einfacheres Angebot, etwa ein Bonus für Menschen, die ohnehin schon bei dir lesen.
Was, wenn Bestandskunden dich darauf ansprechen?
Das kann passieren, und es ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass sie dich verfolgen. Erkläre ruhig, dass die Aktion sich auf ein anderes Angebot bezieht als ihres, und biete ihnen etwas an, das zu ihrer Situation passt, zum Beispiel einen Bonus. Wichtig ist, dass sie es von dir erfahren und nicht aus einer fremden Mail.
Wie du die Aktion auswertest
Nach der Aktion lohnt sich ein ehrlicher Blick. Wer hat gebucht, und sind das Menschen, die du dir wünschst? Wie war der Aufwand im Verhältnis zum Ertrag? Wie haben deine Bestandskunden reagiert? Würdest du es wieder so machen? Schon drei Notizen dazu helfen dir im nächsten Jahr bei der Entscheidung.
Anlässe, die besser zu Coaching passen
Black Friday ist nur einer von mehreren Anlässen. Manche passen zu Coaching und Mentoring besser, weil sie mit einem Neuanfang verbunden sind: der Jahresstart, ein neuer Programmstart oder ein Frühbucherplatz für ein Angebot, das später beginnt. Dort entscheiden sich Menschen für eine Veränderung.
Wenn du dich für nichts entscheidest
Nichts zu tun ist keine Lücke, sondern eine Entscheidung. Nutz die Zeit, um das nächste Jahr zu planen oder Bestandskunden zu pflegen. Manche schreiben sogar bewusst, dass sie nicht mitmachen. Das kann Vertrauen schaffen, weil es zeigt, wofür dein Angebot steht.
Wie wir dich unterstützen
In unseren Mentorings arbeiten wir mit Selbstständigen an Positionierung, Angebot und Kundengewinnung, auch an der Frage, welche Aktionen zu deinem Angebot passen. Ob unser Mentoring zu dir passt, klären wir gern in einem kostenfreien Kennenlerngespräch.
Quellen
- Anderson, E. T. & Simester, D. I. (2004): Long-Run Effects of Promotion Depth on New Versus Established Customers: Three Field Studies. Marketing Science 23(1), S. 4–20. DOI: 10.1287/mksc.1030.0040
- Erfahrungen von Leonie & Markus Walter aus ihren Mentorings und Workshops mit Selbstständigen (2026)
Häufige Fragen
+Lohnt sich Black Friday für Coaches?
Nur wenn die Aktion zu deinem Angebot, deiner Kapazität und deinen Wunschkunden passt. Bei 1:1-Coaching auf Zeitbasis ist ein Rabatt oft ungünstig, weil du deine eigene Arbeitszeit günstiger abgibst. Prüf vorher, wen du anziehst und wie viele Plätze du wirklich vergeben willst.
+Soll ich mein Coaching am Black Friday rabattieren?
Dein Kernangebot würden wir nicht rabattieren. Ein Rabatt spricht vor allem Menschen an, die auf den Preis schauen, und kann Bestandskunden verärgern, die zum vollen Preis gekauft haben. Besser sind ein Bonus, ein Einstiegsangebot oder ein Bundle.
+Was kann ich statt eines Rabatts anbieten?
Einen Bonus zum regulären Preis, ein kleines Einstiegsangebot, einen Workshop mit festem Termin oder ein Bundle aus Vorhandenem. Wichtig ist, dass es zu deinem Angebot passt und du es mit begrenztem Aufwand liefern kannst.
+Was sage ich Bestandskunden, die nach einer Aktion fragen?
Erkläre, dass das Angebot ein anderes ist als ihres, und biete ihnen einen Vorteil, der zu ihrer Situation passt, zum Beispiel einen Bonus oder bevorzugten Zugang. Wichtig ist, dass sie es von dir erfahren.
+Ist es in Ordnung, bei Black Friday nicht mitzumachen?
Ja. Nichts zu tun ist eine Entscheidung, die zu einem Angebot passen kann, das von Vertrauen und begrenzter Kapazität lebt. Du kannst die Zeit für die Planung des nächsten Jahres und die Pflege deiner Bestandskunden nutzen.
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