SELBSTSTÄNDIGKEIT

Angestellt und nebenbei selbstständig: Wie du das auf LinkedIn regelst

Von Leonie & Markus Walter · · ca. 6 Min. Lesezeit

Angestellt und nebenbei selbstständig: Wie du das auf LinkedIn regelst

Kurz gesagt: Wer angestellt ist und nebenbei ein eigenes Business aufbaut, hat auf LinkedIn nur ein Profil, ein zweites erlauben die Nutzungsbedingungen nicht. Liegen Job und Business thematisch nah beieinander, kann ein Profil beides gut zeigen. Liegen sie weit auseinander, etwa Versicherungssachbearbeitung und Coaching, lässt sich über dieses Profil kaum Sichtbarkeit für die Selbstständigkeit aufbauen. Dann helfen andere Wege und ein geplanter Übergang. Vorher lohnt ein Blick in den Arbeitsvertrag.

Diese Frage erreicht uns immer wieder, in unseren kostenfreien Live-Workshops und zuletzt von einer Teilnehmerin, kurz bevor sie bei unserem Positionierungs-Workshop eingestiegen ist: „Ich bin noch angestellt, will mich aber selbstständig machen. Wie gehe ich damit auf LinkedIn um?“ Manchmal kommt sie von Menschen, die sich gerade auf eine neue Stelle bewerben und gleichzeitig ein Business vorbereiten. Eine Antwort für alle gibt es nicht. Es hängt vor allem davon ab, wie nah dein Job und dein Business beieinanderliegen.

Zuerst: Du hast nur ein Profil

Viele überlegen, einfach ein zweites Profil für das Business anzulegen. Das erlaubt LinkedIn nicht: Jede Person darf genau ein persönliches Profil haben. Doppelte Profile können gesperrt werden, und die Arbeit, die du hineingesteckt hast, ist dann weg. Du musst also mit einem Profil arbeiten, das beide Rollen aushält.

Fall 1: Job und Business liegen nah beieinander

Die Personalreferentin, die nebenbei Bewerbungscoaching anbietet. Der IT-Projektleiter, der als Berater für Digitalisierung startet. Hier ist dein Job ein Kompetenzbeweis für dein Business. Du kannst beides auf einem Profil zeigen:

  • Im Erfahrungsbereich steht deine Selbstständigkeit als zweite, aktuelle Position, gern mit dem Zusatz „nebenberuflich“.
  • Dein Info-Text verbindet beide Rollen und erklärt, was Kunden davon haben.
  • In deinen Beiträgen schreibst du über das gemeinsame Fachthema, das deinem Arbeitgeber genauso nützt wie deinem Business.

Fall 2: Job und Business liegen weit auseinander

Die Mitarbeiterin im Tourismusbüro, die systemischer Coach werden will. Die Versicherungssachbearbeiterin, die mit dem Empfehlungsmarketing für Nahrungsergänzungsmittel durchstartet. Hier wird es schwierig, und wir sagen das ehrlich: Über ein Profil, das du für deinen Arbeitgeber mitführst, baust du kaum Sichtbarkeit für eine ganz andere Selbstständigkeit auf.

Das hat mehrere Gründe. Dein Netzwerk besteht vor allem aus Kolleginnen, Kunden deines Arbeitgebers und Menschen aus deiner Branche. Wer dein Profil besucht, versteht nicht, wofür du stehst. Und auch eine KI, die Informationen über dich sammelt, ordnet dich eher deinem Job zu als deinem Business. Dazu kommt die Frage, wie dein Arbeitgeber reagiert, wenn dein Profil plötzlich vor allem deine Selbstständigkeit zeigt.

Was in diesem Fall hilft:

  • Andere Kanäle zuerst. Eine eigene Website, ein Instagram-Profil, ein Newsletter oder Netzwerkveranstaltungen eignen sich für den Anfang oft besser.
  • LinkedIn unauffällig vorbereiten. Vernetz dich schon jetzt mit Menschen aus deiner künftigen Zielgruppe und kommentiere gelegentlich bei Themen, die dich interessieren. So wächst dein Netzwerk in die richtige Richtung.
  • Eine Brücke suchen. Oft gibt es eine Verbindung zwischen Job und Business, die du selbst noch gar nicht siehst. Wer im Tourismusbüro jeden Tag herausfindet, was Gäste sich wirklich wünschen, bringt Erfahrung mit, die auch im Coaching zählt: zuhören, nachfragen, Menschen zu ihrer eigenen Entscheidung führen. Diese Brücke kann später Teil deiner Positionierung werden.
  • Den Wechsel planen. Leg einen Zeitpunkt fest, ab dem dein Profil vor allem dein Business zeigt, zum Beispiel wenn du deine Stunden reduzierst oder die ersten Kunden hast.

Ein Beispiel aus unserem Postfach

Eine Leserin schrieb uns vor ihrem Einstieg in unseren Positionierungs-Workshop: Sie arbeitet angestellt, ist dort in ihrer Funktion auf LinkedIn sichtbar und baut nebenberuflich ein Coaching-Business auf. Zielgruppe und Coachingthema standen noch nicht fest. Ihre Frage war, wie sie diesen Spagat auch in der Sichtbarkeit nach außen meistern kann.

Unsere Antwort: Wenn Job und künftiges Business inhaltlich weit auseinanderliegen, wirst du dich früher oder später entscheiden müssen, wofür du auf LinkedIn in erster Linie sichtbar sein willst. Zwei unterschiedliche Positionierungen lassen sich dort nicht gleichwertig nebeneinander aufbauen. Bevor du diese Entscheidung fällst, helfen dir drei Fragen:

  1. Erwartet dein Arbeitgeber, dass du in deiner jetzigen Funktion auf LinkedIn sichtbar bist?
  2. Ist deine nebenberufliche Selbstständigkeit mit deinem Arbeitgeber abgestimmt?
  3. Welche langfristigen Pläne hast du mit deiner Festanstellung?

Wichtig ist außerdem die Reihenfolge. Zuerst klärst du, wie du dich als Selbstständige positionierst, also für wen du arbeitest und wofür du stehst. Dazu musst du Zielgruppe und Thema noch nicht kennen, genau das erarbeitest du dabei. Welche Rolle du danach auf LinkedIn in den Vordergrund stellst, ist ein eigener, zweiter Schritt.

Und eine Unternehmensseite für das Business?

Viele überlegen, statt eines zweiten Profils eine LinkedIn-Unternehmensseite für ihr Business anzulegen. Davon raten wir ab, aus zwei Gründen. Erstens kannst du zum Folgen deiner Seite nur Menschen einladen, mit denen du persönlich vernetzt bist. Bei weit auseinanderliegenden Themen sind das genau die Kolleginnen und Kontakte aus deinem Job, also dasselbe Problem wie beim Profil. Zweitens erreichen Beiträge auf Unternehmensseiten nach unserer Erfahrung nur einen Bruchteil der Menschen, die ein persönliches Profil erreicht. Für den Aufbau einer Selbstständigkeit bringt dir eine solche Seite deshalb wenig.

Vorher prüfen: Arbeitsvertrag und Regeln deines Arbeitgebers

Nebenberuflich selbstständig zu sein ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Viele Arbeitsverträge verlangen aber, dass du eine Nebentätigkeit anzeigst oder genehmigen lässt. Arbeitest du im selben Geschäftsfeld wie dein Arbeitgeber, kann ein Wettbewerbsverbot gelten. Für Beschäftigte im öffentlichen Dienst gelten eigene Regeln. Viele Unternehmen haben außerdem Richtlinien für Social Media. Lies diese Unterlagen, bevor du dein Business auf LinkedIn zeigst, und hol dir im Zweifel rechtlichen Rat. Wir sind keine Juristen, und dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Wenn du dich gerade bewirbst

Recruiter schauen sich dein Profil an, oft bevor sie deine Unterlagen genau lesen. Steht dort vor allem ein Coaching-Business, fragen sie sich, wie lange du bleiben willst. Hier hilft eine bewusste Entscheidung:

  • Soll die neue Stelle deinen Start in die Selbstständigkeit finanzieren, hältst du das Business auf LinkedIn vorerst im Hintergrund.
  • Passt dein Business fachlich zur Stelle, kann es dich sogar interessanter machen. Dann zeig es offen und erkläre im Gespräch, wie beides zusammenpasst.

Der Übergang: Wann du dein Profil umstellst

Irgendwann kommt der Moment, in dem dein Business wichtiger wird als dein Job. Dann darf dein Profil das zeigen: Profilslogan, Info-Text, Titelbild und die vorgestellten Inhalte richten sich auf deine Selbstständigkeit aus. LinkedIn bietet dir außerdem eine Serviceseite, auf der du deine Leistungen auflisten kannst und über die dich Interessenten anfragen können. Dein bisheriger Job bleibt im Erfahrungsbereich stehen, als Teil deiner Geschichte.

Wie gut dieser Übergang gelingt, hängt stark davon ab, wie klar deine Positionierung ist. Typische Bedenken in dieser Phase beschreiben wir in Ich will niemanden ausschließen: 6 Blockaden bei der Positionierung.

Wie wir dich unterstützen

Wir begleiten Selbstständige seit 2018 auf LinkedIn und wissen, wie viel ein klares Profil ausmacht. Im Positionierungs-Workshop „Neu uffgegleist“ erarbeitest du die Positionierung, die du dann auf LinkedIn und anderen Kanälen zeigst. In der ersten Runde 2026 waren über 30 Selbstständige dabei. Lieber erst ein persönliches Gespräch? Dann vereinbare ein kostenfreies Kennenlerngespräch.

Quellen

Häufige Fragen

+Darf ich für mein Business ein zweites LinkedIn-Profil anlegen?

Nein. Laut den Nutzungsbedingungen von LinkedIn (Abschnitt 2.1) darf jede Person nur ein Konto haben, und zwar unter ihrem echten Namen. Doppelte Profile können gesperrt werden. Eine Unternehmensseite für dein Business ist erlaubt, als Ersatz aber kaum geeignet: Einladen kannst du nur deine eigenen Kontakte, und Beiträge auf Unternehmensseiten erreichen deutlich weniger Menschen als ein persönliches Profil.

+Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich mich nebenberuflich selbstständig mache?

Das hängt von deinem Arbeitsvertrag ab. Viele Verträge sehen vor, dass du eine Nebentätigkeit anzeigst oder genehmigen lässt, und im Geschäftsfeld deines Arbeitgebers kann ein Wettbewerbsverbot gelten. Prüfe deinen Vertrag und hol dir im Zweifel rechtlichen Rat, bevor du dein Business öffentlich zeigst.

+Ab wann sollte ich mein LinkedIn-Profil auf mein Business umstellen?

Sobald dein Business wichtiger wird als dein Job, zum Beispiel wenn du deine Stunden reduzierst oder regelmäßig Kunden hast. Liegen Job und Business thematisch nah beieinander, kannst du beides schon früher auf einem Profil zeigen.

+Was kläre ich zuerst: meine Positionierung oder mein LinkedIn-Profil?

Zuerst die Positionierung. Erst wenn du weißt, für wen du arbeitest und wofür du stehst, kannst du entscheiden, was dein Profil zeigen soll. Zielgruppe und Thema müssen dabei am Anfang noch nicht feststehen, sie entstehen in der Arbeit an der Positionierung.

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