GESCHÄFTSENTSCHEIDUNGEN

Dolly Partons Preis-Frage: Wann du ein verlockendes Angebot ablehnen solltest

Von Leonie & Markus Walter · · ca. 6 Min. Lesezeit

Dolly Partons Preis-Frage: Wann du ein verlockendes Angebot ablehnen solltest

Wann solltest du ein verlockendes Angebot ablehnen?

Ein verlockendes Angebot wird zu teuer, sobald du für Reichweite, einen großen Namen oder eine Referenz etwas abgibst, das dir langfristig mehr wert ist: deine Rechte, dein Honorar, deine Zeit oder deine eigene Marke. Prüf deshalb vor jeder Zusage auch, was du dafür hergibst, und benenne es genauso konkret wie den Nutzen.

Wie schwer das ausgerechnet bei einer Traumchance fallen kann, zeigt eine Entscheidung von Dolly Parton aus den 70er-Jahren.

Die Geschichte: Dolly Parton, Elvis Presley und ein Song

„I Will Always Love You" ist einer der größten Songs von Whitney Houston. Nur ist er gar nicht von Whitney Houston. Geschrieben hat ihn Dolly Parton, fast 20 Jahre vorher.

Dolly Parton schreibt den Song 1973 als Abschied an ihren damaligen Geschäftspartner. Ein Lied voller Respekt, kein Rosenkrieg. Der Song wird ein Country-Hit. Dann meldet sich Elvis Presley. Er will ihn aufnehmen.

Am Abend vor der geplanten Aufnahme kommt die Bedingung: Elvis' Management will die Hälfte der Publishing-Rechte am Song. Bei Elvis-Aufnahmen war das üblich.

Dolly Parton hat später erzählt, sie habe die ganze Nacht geweint. Sie liebte Elvis, und sie wollte diese Aufnahme mehr als fast alles andere zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere. Trotzdem sagt sie ab. Ihre Begründung: Das sei der wichtigste Copyright-Titel in ihrem ganzen Katalog, den könne sie nicht abgeben.

Jahre später nimmt Whitney Houston den Song für „The Bodyguard" auf, einen der größten Hits der Filmgeschichte. Dolly Parton verdient über Jahrzehnte an genau diesem Song, weil sie die Rechte damals behalten hat.

Ausgeschlagen hat sie dabei keine schlechte Gelegenheit. Sie hat Nein zu einer Gelegenheit gesagt, die sie unbedingt wollte, weil der Preis dafür an etwas ging, das ihr langfristig wichtiger war.

Warum sind gerade verlockende Angebote so riskant?

Verlockende Angebote sind riskant, weil der Reiz vorne steht und der Preis hinten, und weil Begeisterung den Blick auf die Bedingungen trübt. Ein schlechtes Angebot erkennst du meist sofort: zu wenig Geld, unklare Bedingungen, ein ungutes Gefühl. Die Entscheidung dagegen fällt leicht.

Schwieriger wird es bei Angeboten, die nach Glück aussehen: ein bekannter Name, große Reichweite, eine Chance, die sich angeblich nicht wiederholt. Die Bedingungen sind dabei selten versteckt. Man schaut sie sich vor lauter Begeisterung nur nicht mehr genau an. Daraus entsteht ein zu teures Ja: eine Zusage, bei der du für etwas Attraktives mehr abgibst, als es dir langfristig wert ist.

Ein zu teures Ja erkennt man selten an einem schlechten Angebot. Meist ist es ein gutes, dessen Preis nie ausgesprochen wurde.

In der Arbeit mit unseren Kunden begegnen uns zu teure Jas immer wieder in vier Bereichen:

  • Geld: ein Auftrag zu einem Honorar, das die eigene Positionierung unterläuft
  • Rechte: Nutzungsrechte an Inhalten, Methoden oder Marken, die man eigentlich behalten wollte
  • Zeit: ein Engagement, das so viel Kapazität bindet, dass für das besser bezahlte Geschäft nichts mehr übrig bleibt
  • Eigene Marke: eine Kooperation, bei der dein Name im Ergebnis kaum noch erkennbar ist

Woran erkennst du, dass ein Angebot zu teuer für dich ist?

Ein Angebot ist wahrscheinlich zu teuer, wenn du nicht in einem Satz sagen kannst, was du dafür abgibst. Diese Signale helfen, ein zu teures Ja zu erkennen, bevor du zusagst:

  • Der Name überstrahlt die Bedingungen. Du prüfst die Konditionen kaum noch, weil schon reicht, wer anfragt.
  • Du kannst den Preis nicht benennen. Auf die Frage „Was gebe ich dafür konkret ab?" hast du keine klare Antwort.
  • Bedingungen wurden einfach vorausgesetzt. Über manche Punkte wurde nie offen gesprochen, weil beide Seiten sie als selbstverständlich angenommen haben.
  • Die Chance fühlt sich einmalig an, der Nutzen bleibt vage. Der Reiz liegt im Gefühl „So etwas bekomme ich nie wieder" und weniger in einem Ergebnis, das du dir konkret vorstellen kannst.
  • Der Vergleichstest fällt anders aus. Käme dasselbe Angebot von einem unbekannten Absender, würdest du es vermutlich ganz anders bewerten.

Wie sieht ein zu teures Ja im Alltag von Selbstständigen aus?

Ein zu teures Ja sieht im Alltag fast immer nach einer guten Gelegenheit aus. Vier typische Situationen:

Der bekannte Kunde. Eine bekannte Marke fragt an, will aber nur die Hälfte des üblichen Honorars zahlen. Als Ausgleich gilt die Referenz. Die Referenz ist echt. Die Frage ist, ob sie so viel wert ist wie die Differenz zum vollen Honorar, und ob sie das auch in einem Jahr noch ist.

Die Kooperation mit großer Reichweite. Ein Partner mit großer Reichweite bietet eine gemeinsame Aktion an. Im Ergebnis taucht die eigene Marke aber kaum noch auf. Die Reichweite ist da, nur landet sie beim Partner. Dasselbe Muster begegnet uns bei Kongress- und Kooperationsanfragen: Oft will die anfragende Seite Reichweite von uns, kann selbst aber keine geben.

Die Anfrage mit dem komischen Gefühl. Beim Lesen der Bedingungen entsteht ein kurzes Zögern, gefolgt vom Gedanken: „Aber wann bekomme ich so eine Chance schon mal wieder?" Genau dieser Gedanke kann das Signal sein, noch einmal genauer hinzuschauen, statt schneller zuzusagen.

Die Erfolgsbeteiligung statt Honorar. Uns selbst ist das schon passiert: „Wir machen das Projekt jetzt gemeinsam, und wenn es erfolgreich läuft, empfehle ich dich an meine Kunden weiter. Vorher lässt sich zur Methode ja nichts sagen." Das fehlende Honorar war dabei nur ein Teil des Problems. Auf der anderen Seite steckte kaum Einsatz, das Projekt überhaupt zum Erfolg zu machen. Man investiert volle Arbeit für ein Ergebnis, das man selbst kaum beeinflussen kann. An dieser Stelle sind wir inzwischen gebranntes Kind.

Diese und ähnliche Varianten, etwa „Arbeite erst mal kostenlos, wenn sich Ergebnisse einstellen, kann ich dich bezahlen", tauchen regelmäßig als Frage in unseren Mentorings auf. Unser eigener Standard mittlerweile: Wir arbeiten nicht kostenlos an Kundenprojekten.

Wann ist ein Nein trotzdem die falsche Entscheidung?

Ein Nein ist die falsche Entscheidung, wenn du ein attraktives Angebot aus einem vagen Gefühl heraus ablehnst, ohne den Preis benannt zu haben. Dolly Parton wusste sehr genau, was sie abgeben sollte und warum ihr das zu viel war. Erst diese Klarsicht macht ein Nein zu einer guten Entscheidung.

Manchmal ist der Preis auch bewusst bezahlbar. Ein Auftrag zu einem geringeren Honorar kann sinnvoll sein, wenn er dir den Einstieg in eine neue Branche öffnet und du die Bedingungen dafür vorher festgelegt hast. Entscheidend ist, dass du den Preis kennst und ihn freiwillig zahlst.

Was du mitnehmen kannst

  • Schreib vor jeder größeren Zusage zwei Spalten auf: Was bekomme ich, und was gebe ich ab?
  • Geh dabei alle vier Bereiche durch: Geld, Rechte, Zeit und deine eigene Marke.
  • Stell dir dasselbe Angebot von einem unbekannten Absender vor und prüf, ob du es dann noch annehmen würdest.
  • Schlaf eine Nacht darüber, gerade wenn die Gegenseite auf eine schnelle Antwort drängt.
  • Leg eigene Standards fest, bevor die nächste Anfrage kommt, zum Beispiel ein Mindesthonorar oder Rechte, die du grundsätzlich behältst.

Quellen

Prüf dein nächstes Ja, bevor du zusagst

Vielleicht liegt gerade eine Chance vor dir, bei der du innerlich schon fast zugesagt hast: ein bekannter Kunde, eine Kooperation mit Reichweite, eine Anfrage, bei der du dir sagst, wann bekomme ich das noch mal?

Genau diesen Check machen wir im Mentoring mit Selbstständigen, bevor sie eine große Zusage geben. Wir stellen ihn dir kostenfrei zur Verfügung: Du schaust dir eine verlockende Gelegenheit einmal von der anderen Seite an und benennst, was du dafür abgibst. Hier geht es zu Dolly Partons Preis-Frage.

Häufige Fragen

+Wie sage ich einem Kunden höflich Nein, ohne die Beziehung zu verlieren?

Bedank dich für das Vertrauen, nenn sachlich den Punkt, an dem es für dich nicht passt, und lass die Tür für eine andere Lösung offen. Wer die Bedingung ablehnt und nicht die Person, bleibt im Gespräch. Ein Beispiel: „Danke, dass Sie an uns gedacht haben. Die Nutzungsrechte in dieser Form können wir nicht abgeben. Wenn wir dafür eine andere Lösung finden, sind wir gern dabei."

+Lohnt sich ein Rabatt für einen bekannten Referenzkunden?

Ein Rabatt lohnt sich nur, wenn du vorher festlegst und vereinbarst, was die Referenz konkret für dich leisten soll, zum Beispiel Logo auf deiner Website, ein Zitat oder eine Empfehlung. Eine Referenz, die du nicht nennen darfst, bringt dir nichts. Begrenze den Rabatt außerdem auf diesen einen Auftrag, damit er nicht zum neuen Normalhonorar wird.

+Kann ich nachverhandeln, statt gleich abzusagen?

Ja, Nachverhandeln kann der bessere erste Schritt sein. Benenne den Punkt, der für dich nicht passt, und mach einen Gegenvorschlag, zum Beispiel einen kleineren Umfang zum vollen Honorar oder eine zeitlich begrenzte Nutzung der Rechte. Bleibt die Gegenseite beim entscheidenden Punkt hart, weißt du, woran du bist.

+Was mache ich, wenn ich schon zu einem schlechten Deal zugesagt habe?

Erfüll, was du zugesagt hast, und begrenze den Schaden für die Zukunft. Sprich offen an, was für dich nicht aufgeht, und vereinbare für Folgeaufträge neue Konditionen. Schreib dir außerdem auf, an welchem Signal du das zu teure Ja beim nächsten Mal früher erkennst.

+Woran erkenne ich, ob eine Kooperation fair aufgeteilt ist?

Eine Kooperation ist fair, wenn beide Seiten vorher benennen können, was sie einbringen und was sie bekommen. Prüf vor allem, ob die Reichweite in beide Richtungen fließt und ob deine Marke im Ergebnis erkennbar bleibt. Ein gutes Beispiel für einen Deal, bei dem beide gewinnen und keiner ins Risiko geht, ist die Umsatzbeteiligung, mit der Dale Carnegie ohne eigene Reichweite an seine ersten Kunden kam.

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